|
Startseite
Im Anfang
Ziel und Arbeitsweise
Tagesstruktur
Thema 2012
Themen der Vorjahre
Kontakt und Anmeldung
Das Haus: Heinrich-Fabry-Institut
Blaubeuren und Umgebung
|
| | 2011: Babylon (Turmbau/Sprachverwirrung) und Pfingsten (Gen 11,1-8 und Apg 2,1-47)
In gewohntem und bewährtem Rahmen (Gästehaus) trat ein gutes Dutzend TeilnehmerInnen aus Deutschland und Österreich an, die beiden Texte zu analysieren. Jede/r brachte die üblichen Vorverständnisse und Wertungen mit: die turmbauenden Leute von Babel machen sich mit ihrem Projekt ja doch von vornherein lächerlich; die Pfingsterzählung Apg 2 darf sich als Fortführung/Überbietung des altestamentlichen Textes (Gen 11,1–9) verstehen.
Abseits dieser Voreinstellungen wurde zunächst solide an den
Texten gearbeitet. Die Arbeitsübersetzungen galt es zu verstehen. Auf Deutsch geschrieben orientierten sie sich an den Ursprachen, waren deswegen oft verfremdet. Sie musste man in Äusserungseinheiten unterteilen. Bei der Frage nach der
Homogenität ergab es sich, dass in Gen 11 nicht nur die Schlusssätze sekundär sind, also von einem späteren Bearbeiter eingefügt, sondern auch V.5 – mit der praktischen Folge, dass laut Ursprungstext der Turm lediglich in der Planungsphase existierte. Man hatte aber noch nicht zu bauen begonnen.
Bei beiden Texten wurde zwischen Wort- und übertragener Bedeutung unterschieden. Die Beschreibung der Art, wie Petrus in Apg 2 seine Rede hält, offenbarte einen heftig autoritären, eigentlich gar nicht »pfingstlichen« Ton.
War ein Ergebnis der Turmbauerzählung gewesen, dass es eine Vielzahl von Sprachen gibt (so, wie wir es in unserer Lebenswelt auch feststellen), so behauptete die Pfingsterzählung,
dass der gesendete Geist die Vielfalt wieder zurückführte: 17
genannte Völkerschaften konnten in ihrer eigenen Sprache
die neue Botschaft verstehen.
Wie sollte man das bewerten? –»Sprache« – wenn damit
nicht metaphorisch etwas ganz Anderes gemeint ist, so gilt,
dass Einheitlichkeit bei technischen Großprojekten notwendig
ist. Sonst wird nichts draus. Aber liegt ein solches beim
Pfingstereignis vor? »Großprojekt« etwa als zu bauende
Glaubensgemeinschaft/Dogmatik/Ideologie – die benötigt
dann tatsächlich eine umfassende, einheitliche, verbindliche
Sprachregelung.
Ansonsten ist »Sprache«- erstens viel umfangreicher als nur eine Kette
von Wörtern; man denke an Mienen, Gesten, beredtes Schweigen usw. - Und zweitens – weil die Weltsicht jedes einzelnen Menschen ohnehin beschränkt ist – sagen »fünftausend Sprachen« mehr als eine. Zu dieser Erkenntnis verhalf auch ein Enzensberger-Gedicht [gelesen in »unserem« speziellen Stil, vgl.
http://www.alternativ-grammatik.de/index.php?title= 4.74]
Das brachte während der Tage den Umschwung: der Turmbau-
Text erwies sich – in mythischer Sprache – als viel eher
unserer Lebenswirklichkeit angemessen und durch die erzählende Form auch menschenfreundlicher für Adressaten. Wogegen die von Lukas komponierte Petrus-Predigt mit den Adressaten dezidiert autoritär und verachtend umspringt. Sie werden mit langen Bibelzitaten zugedeckt und zum Schweigen gebracht – all das illustriert literarisch den »neuen Geist« überhaupt nicht überzeugend, redet nur von ihm.
Ungefähr so könnte man die inhaltliche Linie der gemeinsamen Arbeit beschreiben.
Da man 4 Tage lang nicht nur arbeiten kann bzw. sollte, verhinderten weitere Elemente das ’Versauern’: Tagesbeginn mit Körperübungen incl. Stimmübungen, Klangcollagen. Abendausklang mit einfachen griechischen Reihentänzen. Tagsüber Wanderungen (Schertelshöhle, Lautertal). Ein Film – »Babel« – erwies sich als sehr passend.
Das, was die Rede vom »Gottesgeist« unverdreht beabsichtigte, wurde von O. Messiaen »Dieu parmi nous« – mehrfach angehört, mal mit Video (Grafiken, Orgelspiel) mal ohne – erlebbar, mit heftigen Emotionen umgesetzt. Schrill wird konventionelle Trägheit weggeblasen, allmählich werden
setzt sich in allem Chaos ein ekstatisch-tänzerischer
Duktus durch, der auf einer Sicherheit verleihenden Bassfigur
aufbaut.
Und für Fußballsüchtige wurde ein Freiraum geschaffen
(Deutschland vs. Österreich). Gelacht wurde auch zur
Genüge – und sei es durch Verfremdung biblischer Aussagen: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die – Flaschen.«
Laut ausführlicher schriftlicher Schlussauswertung wurde
auch dieses Mal das Ziel gut erreicht: Impulse für Körper und Geist zu geben, um in beiden Dimensionen die Beweglichkeit zu fördern, Änderung zuzulassen. Die Leute mit ihrem Turmbauplan kamen »von Osten«. So richtig seßhaft sollten sie nicht werden. Stattdessen mündete der eine Plan in viele Sprachen, in allen möglichen Regionen. Unterwegssein und Vielfalt der Sicht- und Sprechweisen sind angesagt.
|
| | 2010: Sintflut - Vor uns? Nach uns? (Gen 6 - 8)
Wie immer man zu den biblischen Texten der sog. »Urgeschichte« (Gen 1 - 11) steht: ihre Bildhaftigkeit (Schöpfung, Paradies/ Sündenfall, Kain/Abel, Sintflut) hat die Folgezeit sehr stark geprägt. Daher
lohnt es sich - unabhängig von der persönlichen religiösen Einstellung -, diese Texte genauer anzuschauen.
Die poetische Bildhaftigkeit des biblischen Textes vermischt sich mit nicht-literarischem Wissen: Warum kann man auf der Höhe der Alpen Muscheln finden? Wie ist das Schicksal flacher Länder wie Bangladesh oder Niederlande in Zeiten des Klimawandels? Und literarisch weiß man, dass die Sintflutthematik im Alten Orient verbreitet war. Kunstgeschichtlich
wurde das Thema oft aufgegriffen. Nicht zuletzt beendet in Wagners »Ring« der alles überflutende Rhein das Gezänk der Nibelungensippe.
Die Flut ist ein extrem radikales Bild für einen Einschnitt, für Existenzbedrohung. Unser primäres Interesse galt dem biblischen Text, der die Besonderheit aufweist, dass im Grunde sogar zwei Erzählungen ineinander geschachtelt sind. Diese zu entwirren und die Texte einzeln genau zu beschreiben, dabei auch die anderen erwähnten Aspekte einfließen zu lassen, das versprach ein interessantes und umfangreiches Programm zu werden.
Und es war in unerwartetem Maß intessant!
Näheren Einblick in unsere diesjährige Arbeit erhalten Sie hier: klick -->
|
| 2009: Paradies und (vermeintlicher) Sündenfall (Gen 2 und 3)
Der Text Gen 2 und 3 wurde - das muss am Anfang stehen - zunächst in
Äusserungseinheiten eingeteilt. Vieles lief dabei in Kleinstgruppen. Die »10 Gebote =
Kriterien« waren aber doch so handhabbar, dass keine Stelle der Willkür blieb. Das ist
ein wichtiges Einstiegssignal: Textinterpretation kann sich an sicheren Regeln orientieren,
verliert sich nicht in subjektiver Beliebigkeit!
Es stand nun also ein durchstrukturierter Text zur Verfügung. Die literarische Weiterarbeit
steuerte am Schluss auf Fragen zu wie:
Was für ein Wesen ist »Adam« - im
Verhältnis zu den erst anschließend erwähnten »Frau« »Mann«, »Eva«? Wo liegt ein
Eigenname, wo ein Appellativum vor?
Welches sind die Elemente von »Verführung«?
Kann man von »Schuld« sprechen - die im Text nicht erwähnt wird? Beschuldigungen kommen aber vor. -
Sind »Schmerzen, Arbeit, Tod« eine »Strafe« oder . . .? Eher nicht.
Vielmehr steuert die Schlusspassage auf eine Schilderung eines Lebens
hinaus, wie es in unserem Alltag vorkommt, nicht in mythischer Vorzeit.
Wichtig
die Keruben am Schluss: Eine Rückkehr in ein erträumtes Paradies gibt es nicht. Man
hat sich gefälligst den Anforderungen des aktuellen Alltags zu stellen.
Insofern: ein
dramatischer und weiser, nach wie vor ansprechender Text.
|
|
|
2008: Streit um die Schöpfung (Gen 1,1)
Es wurde einem Wunsch von
Teilnehmern Rechnung getragen, noch mehr Zeit auf einem einzigen
Text zu verwenden, mehrere aufeinander aufbauende Analysen an
diesem einen Text durchzuführen. So geschah es denn auch.
Der erste Schöpfungsbericht
(Gen 1) wurde zunächst in Äusserungseinheiten
gegliedert. Immer neu interessant ist es, dass Einzelne und
Gruppen in einem sehr hohem Maß (aufgrund der Kriterien) zu
einem übereinstimmenden Ergebnis kommen.
Wortbedeutung: einzelne
Merkmale wurden näher betrachtet (Benennung der ersten
Schöpfungswerke, 7-Tage-Struktur, "Krone" der
Schöpfung?, Thema von "Existenz"-Aussagen)
Übertragene Bedeutung: mit
Hilfe der inzwischen bewährten 5-teiligen Tabelle wurde
schrittweise bewusst gemacht, dass die Wortbedeutung
dekonstruiert werden "muss", und es ergaben sich
Ausblicke darauf, was so ein Text eigentlich
will. Das Ergebnis wurde den Teilnehmern nach der Sommerakademie
in einer Übersicht zusammengefasst zur Verfügung
gestellt.
Zum
erstenmal waren Studierende integriert. Sie boten durch
Kurzvorträge weitere Aspekte, die dieser Text auslöst:
im Buddhismus kommt man ohne Schöpfungsvorstellung aus,
Leben und Werk von Charles Darwin, ideologische Verbiegungen
heute (Kreationismus, Intelligent Design). - Die Vorträge
waren gut vorbereitet und illustriert und wurden mit großer
Zustimmung aufgenommen.
Sonder"performance"
durch Hermann Peterle an der Orgel der Kirche Maria Himmelfahrt
in Söflingen (hat sich inzwischen zum festen Programmpunkt
entwickelt). Es erstaunt, was es alles an moderner Literatur zu
unserem Thema gibt.
In der Freizeit betrachteten manche am Westportal des
Ulmer Münsters den linken Tympanon näher: er bietet
eine berühmte spätgotische Schöpfungsdarstellung
(allerdings beide Schöpfungsberichte kombiniert)
|
|
|
2007: Engel
»Engel« haben derzeit wieder
Konjunktur, waren aber seit dem Alten Orient immer wichtig. Biblische Texte, moderne Gedichte, Werke der Kunst
(z.B. Isenheimer Altar), ja sogar Realisierungen in Musik (obwohl
man da ja hört, nicht sieht).
Diese Akademie musste
wegen Unterschreiten der Mindestteilnehmerzahl abgesagt werden.
Statt dessen fand in Tübingen ein Kultur- und
Wanderwochenende statt. -
Vielleicht haben "Engel" doch noch eine Macht über
uns Heutige, und sei es eine abschreckende....)
|
|
|
2006: Wunderliche Wunder - oder: Wunder, des Glaubens liebstes
Kind
Mit vier Wundererzählungen
aus dem Neuen Testament (z. B. "Heilung des Gelähmten,
Jesus geht auf dem See Genezaret")
Roman von Joseph Roth "Hiob.
Roman eines einfachen Mannes"
Klischee - Überraschung:
Formelhaftes Sprechen, Medien, Verhalten, Film, Medizin,
Kinderbücher Darin konnten wir den üblichen Blick
auf naturwissenschaftliche (Un-)Möglichkeiten umlenken auf
das, was im deutschen Wort selbst schon steckt: eine
Wahrnehmungsform, die Überraschung und auch Dankbarkeit
einschließt.
Sonder"performance" durch Hermann Peterle in der
Kirche Maria Himmelfahrt in Söflingen
|
|
|
2005: Im Ernst: Humor
z.B. Das Buch Jona, Beispiele
für "Schwarzen Humor" aus der Bibel
Film "Das Leben des Bryan"
/ Monty Python
Mark Twain, Simplicius
Simplicissimus u.a.
Musik: u.a. Richard Strauss
"Till Eulenspiegels lustige Streiche"
Geräusche für
Gedichte von Christian Morgenstern
Sonder"performance" von Hermann Peterle in der
Kirche Maria Himmelfahrt in Söflingen
|
|
|
2004: Gebetssprache
Vorbereitung: Texte zum Thema
Gebetslyrik (größere Sammlung alter und moderner
Texte vorab ausgeteilt)
Analyse einzelner poetischer
Bilder aus den Psalmen Schwerpunkt: Psalmen des Alten
Testamentes, z. B. Ps 22; Ps 23; aber auch Mt 6,7-15 (Vater
unser)
Musik: Igor Strawinsky:
Psalmensymphonie
Bildende Kunst: Fayencen
Schlusspunkt: Medieval Nights / Tenor-Flöte "live".
|
|
|
2003: Vom Wortsinn zur gemeinten Bedeutung
Ludwig van Beethoven: Symphonie
Nr. 6, - allerdings als selbst gestaltete Geräuschsymphonie
Übungen an mehreren Texten
(auch Partituren sind zunächst mal "Texte"): z. B.
Lk 16,19-31 ("Reicher Mann, armer Lazarus")
Bibliodrama zum Text
Musik: Johann Sebastian Bach:
Toccata in F-Dur
Film: Picassos Malen
Schlusspunkt: Leos Janacek: Taras Bulba II. Satz
|
|
|
2002: Wahrnehmung von Texten
mit Übungen an mehreren
Texten aus dem Neuen Testament: Äusserungseinheiten
Flötenmusik,
Salvador Dali, "ökumenisches"
Konzil (Dias), - Film über Picassos Arbeitsweise
Bibliodrama "Heilung eines
Blinden vor Jericho"
abendliche Meditation
|
| |