Hintergrund sind Gedanken, Vorschläge, Positionsbeschreibungen, die im Sommersemester 2001 in der Studium-Generale-Vorlesung »Kritik religiöser Sprache« in Tübingen vorgetragen worden waren. Sie liegt in Buchform vor: H. Schweizer, »...deine Sprache verrät dich!« Grundkurs Religiosität. Essays zur Sprachkritik. LIT Verlag. Münster 2002. ISBN 3–8258–5869–3. – Vgl. auch H. Schweizer, Fantastische 'Opferung Isaaks'. Lengerich 2006.
Die Sommerakademie hat den selben Titel wie das zuletzt genannte Buch. Die Doppelung dürfte dennoch sinnvoll sein: Zum einen ist es nicht Voraussetzung für die Teilnahme, das Buch gelesen zu haben (einschlägig wäre Teil 1). Dennoch sei natürlich die Lektüre empfohlen. –
Der viel wichtigere Grund eines erneuten Aufgreifens: der Text ist so gut wie nur wenige andere geeignet, das Wechselspiel zwischen Wortbedeutung und gemeinter Bedeutung durchzuspielen. Damit beschäftigen wir uns auf den Sommerakademien schon ständig. Aber die »Isaaks Opferung« stellt eine eigene Herausforderung dar, werden Leser dort doch direkt mit dem Eingreifen des Engels/Gottes konfrontiert – laut Wortbedeutung. Man kann dann nicht der Frage ausweichen, wie dazu nun die gemeinte Bedeutung auszusehen habe. Ergänzend: der Text-Abraham wird unglaublich gehorsam, kommunikationsarm, eigentlich schwach gezeichnet (er stellt keine Gegenfragen, wehrt sich nicht). Dies alles provoziert – im Wortsinn. Auch da steht der gleiche Wechsel bevor: Was könnte eine so gezeichnete Textfigur »meinen«? Als direktes Vorbild für Glaubensgehorsam (= unkritische Übernahme der Wortbedeutung) taugt dieser Abraham offenkundig nicht. Wie soll man diese ’Inszenierung’ aber dann verstehen?
Die Wertung »Fantastisch« jedenfalls ist bewusst gewählt. Sie steht für die Überzeugung, dass der Gesamttext faszinierend ist und sehr wohl auch heute noch aktuell. Keineswegs muss man bei der abstoßenden und grausigen Szenerie stehen bleiben. – Diese Meinung steht im Buch. Wir werden uns aber eigenständig ein Verstehen des Textes erarbeiten – und werden dann sehen, wie das Ergebnis ausschaut.
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