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Ziel und Arbeitsweise


So merkwürdig es klingt: Es wird dabei das Wahrnehmen, das genaue Lesen "geübt". Die Annahme ist: normalerweise lesen wir Texte, betrachten wir Kunstwerke "oberflächlich genug", so dass man sich die drohende Irritation, Provokation ersparen kann.

Die im Rahmen der Sommerakademien breit belegbare Erfahrung ist jedoch: Sorgfältiges Wahrnehmen - was immer auch Nachdenken über die Methode einschließt - ist heilsam, kann zu ganzheitlich wirksamen Veränderungen in der Psyche führen.

Es wird explizit kein Denksystem, auch keine irgendwie geartete Religionsauffassung vermittelt. Ziel ist es allein, die Selbstständigkeit der Teilnehmer zu stärken in der Diskussion miteinander und in der Auseinandersetzung mit den jeweiligen Impulsen (Texte, Kunstwerke). Für ersteres gibt es einige einfache Regeln, für letzteres Methodenhinweise.

Die äusseren Beigaben (schmackhafte Bewirtung, gute Unterbringung, schöne Umgebung, ausreichend Freizeit, lockeres abendliches Beisammensein - für den, der will) tragen zu einer entspannten Atmosphäre bei. Sie ist auch nötig, da oft auch existenziell relevante Fragen durch die gemeinsame Arbeit aufgeworfen werden.

Voraussetzungen

Kein bestimmter Bildungsabschluss! Wichtig ist allein das Interesse an der Fragestellung, die Lust, den eigenen Augen und dem Verstand zu trauen, sowie die Bereitschaft, in der Gruppe abweichende Meinungen anzuhören, bestehen zu lassen, sich damit auseinanderzusetzen. Bisher schon war die Mischung von Altersstufen und Berufshintergründen Stärke der Sommerakademien.

Arbeitsformen

Die Mehrzahl der Arbeitsschritte findet in Klein(st)gruppen statt, die immer wieder neu zusammengesetzt werden. Dadurch lernt man sich untereinander besser kennen und hat so leichter die Chance, seine Sichtweisen einzubringen. Vernünftige, sorgfältige und methodengeleitete Beschreibung praktizieren, üben und reflektieren - auch da haben Gruppen einen Leistungsvorteil gegenüber dem Lesen als Solist. - Immer wieder natürlich Bündelung im Plenum.

Die strukturierte Wahrnehmung des Wortlautes ist der erste Zugang. Bei Werken der Musik, Bildenden Kunst, Film … geht es ähnlich um genaues Beschreiben. Bisweilen geschieht dies in spielerischer Form.





Studierende der Uni Tübingen (I&G bzw. SQ) vertiefen mit Kurzreferaten ausgewälte Details aus der thematischen Umgebung.

In den 4 Tagen haben die 'Objekte' (Text …) die Chance zu "reifen", langsam Bekannte und vielleicht sogar Vertraute im eigenen Leben zu werden.







Gelesen ist noch (lange!) nicht verstanden.

Dass Erwachsene lernen sollen zu lesen - das klingt merkwürdig. Das wird doch schon in der Grundschule erledigt?!

Nimmt man Erfahrungen aus Hermeneutik und Psychologie hinzu, sieht es anders aus. Jeder baut sich, muss es sogar, sein inneres Weltbild. Weil er sich bedroht fühlt, wenn dieses ins Wanken geraten würde, wehrt er Bedrohungen ab, solange es geht. Nach außen sieht dies nach einer fundamentalen Unlust zu Veränderung, nach "Trägheit" aus. Im Kern ist es oft "Abwehr".

"Lesen" im Vollsinn ist daher mehr als Buchstabenentziffern, "Wahrnehmen" mehr als schnell zur Kenntnis nehmen. Oberflächlichkeit beim Lesen genügt im Alltag zwar oft, und hat dabei den Effekt: "berührt/interessiert mich nicht". Dagegen sind künstlerische Werke genau dafür geschaffen, den Wahrnehmenden innerlich zu erreichen, seinen Panzer aus Gewohnheiten, seine Abschottungen zu durchbrechen. Als "Brechstange" werden künstlerische Gestaltungsmittel eingesetzt. - Wir wollen ermöglichen, dass das Lesen von der Art ist, dass man solchen Texten gerecht werden kann.